TCM – ALTERNATIVE HEILMETHODE ODER GEFÄHRLICHER ABERGLAUBE?

TCM – ALTERNATIVE HEILMETHODE ODER GEFÄHRLICHER ABERGLAUBE?

Traditionelle Chinesische Medizin und westliche Schulmedizin haben nicht viel gemeinsam. Können medizinische Systeme, die so unterschiedlich sind, sich überhaupt gegenseitig ergänzen oder schließen sie sich sogar gegenseitig aus? Hier erfährst du mehr zu diesem Thema: Interessante Fakten über die TCM und ihre Grundlagen!


Seit wann gibt es die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)?

Die Traditionelle Chinesische Medizin gibt es seit über 2.000 Jahren, ihre Anfänge reichen sogar noch viele Jahrtausende weiter zurück! Orakelknochen und beschriftete Schildkrötenpanzer als erste Belege für die Ahnenheilkunde in China stammen aus dem 11. vorchristlichen Jahrhundert. Aus dem 6. Jahrhundert gibt es Funde, die Dämonenheilkunde nachweisen, und die Arzneiheilkunde ist für die Zeit um 500 v. Chr. belegt.


Im 20. Jahrhundert etablierte die Kommunistische Partei die TCM als institutionalisiertes Gesundheitswesen. Mao Zedong ließ in speziellen Schulen so genannte Barfußärzte ausbilden, um auch ländliche Gegenden flächendeckend medizinisch zu versorgen. Die Bezeichnung Barfußarzt weist auf den niedrigen sozialen Status dieser Berufsgruppe hin. Bauern, Jugendliche, die aufs Land geschickt wurden, und zu einem großen Teil auch Frauen erhielten eine dreimonatige Ausbildung und reisten dann von Dorf zu Dorf, wo sie vor allem Maßnahmen der präventiven Gesundheitsfürsorge ergriffen und die medizinische Grundversorgung sicherten. Gleichzeitig verrichteten sie aber auch weiterhin Feldarbeit.


Grundlagen


Schamanismus


Im Schamanenkult Chinas galten Krankheiten als das Werk vonDämonen, die mit Ritualen, Fastenzeiten und Atemtechniken, aber auch durch bestimmte Arzneien besänftigt werden konnten. Menschen, die über weitreichendes Wissen über die Natur verfügten und die mit den Geistern kommunizierten, wurden alsWu(Magier) bezeichnet. Diese ersten „Ärzte“ waren sehr einflussreich und wurdenspirituelle Beraterder Könige.

Aus der Dämonenmedizin entwickelte sich der von Laotse begründete Taoismus, in dem dasTaoals Spannungsfeld zwischen Yin und Yang angesehen wird.

 

Alte chinesische Münzen mit Yin-Yang-
Symbol


Das Prinzip von Yin und Yang ist grundlegend für die chinesische Philosophie und die TCM. Yin steht für das Männliche, Helle und Warme. Den Gegenpol bildet Yang, das für das Weibliche, Dunkle und Kalte steht. Beide Seiten stehen in Wechselbeziehung zueinander (jede Seite trägt den Keim der anderen in sich) und bilden zusammen eine Einheit, die nicht aus dem Gleichgewicht geraten soll.

Zungen- und Pulsdiagnostiksind wohl am bekanntesten, aber auch Iris-und Antlitzanalyse haben ihren Platz in der TCM. Auffälligkeiten an der Oberfläche der Ohren inspiziert der Arzt ebenfalls. An verschiedenen Punkten, die sich aufEnergiebahnen(Meridianen) befinden, sowie in drei unterschiedlichen TiefenCun,GuanundQiwird der Puls gemessen und in 28 verschiedene Qualitäten eingeteilt. Die Ergebnisse vergleicht man mit bekannten Syndromen, um über die geeignete Behandlungsmethode zu entscheiden. Traditionell wurde der Arzt nur honoriert, solange der Patient gesund war.

Für wohlhabende Chinesinnen gab es früher eine Schmerzpuppe, an der sie, wenn sie erkrankt waren, die schmerzenden Stellen markierten, denn es galt als unschicklich, sich vor einem Arzt zu entblößen und von ihm betasten zu lassen, zumal dieser meist einer niederen sozialen Schicht entstammte. Ein Bote überbrachte die Puppe dem Arzt und kam mit den entsprechenden Heilmitteln zu der Frau zurück.

Grundlegend für die TCM ist auch die Lehre derfünf Elemente: Erde, Metall, Wasser, Holz und Feuer, denen verschiedene Geschmacksrichtungen und außerdem entweder das Yin oder Yang Prinzip zugeordnet sind. Die TCM hat ein Gleichgewicht der Elemente, die sichstets im Wandelbefinden, zum Ziel. Dies kommt auch in der Chinesischen Ernährungslehre, aber auch in der Astrologie zum Tragen. Übrigens: Die Sterndeutung hat in der heutigen Gesellschaft Chinas ihren festen Platz. In einigen Stellenanzeigen kann man lesen, dass Bewerbungen von Personen mit bestimmten Sternzeichen nicht berücksichtigt werden.


Wo drückt der Schuh? – Diagnostik


ur Diagnose betrachtet und befragt der Arzt den Patientenausführlich. Allerdings werden nur die Körperregionen mit einbezogen, die sichtbar und nicht bekleidet sind. Neben der Körperhaltung zählen dazu Augen, Zunge und freie Hautpartien


chinesische
Schmerzpuppe


Zungen- und Pulsdiagnostiksind wohl am bekanntesten, aber auch Iris-und Antlitzanalyse haben ihren Platz in der TCM. Auffälligkeiten an der Oberfläche der Ohren inspiziert der Arzt ebenfalls. An verschiedenen Punkten, die sich aufEnergiebahnen(Meridianen) befinden, sowie in drei unterschiedlichen TiefenCun,GuanundQiwird der Puls gemessen und in 28 verschiedene Qualitäten eingeteilt. Die Ergebnisse vergleicht man mit bekannten Syndromen, um über die geeignete Behandlungsmethode zu entscheiden. Traditionell wurde der Arzt nur honoriert, solange der Patient gesund war.

Für wohlhabende Chinesinnen gab es früher eineSchmerzpuppe, an der sie, wenn sie erkrankt waren, die schmerzenden Stellen markierten, denn es galt als unschicklich, sich vor einem Arzt zu entblößen und von ihm betasten zu lassen, zumal dieser meist einer niederen sozialen Schicht entstammte. Ein Bote überbrachte die Puppe dem Arzt und kam mit den entsprechenden Heilmitteln zu der Frau zurück.


Die fünf Säulen der TCM


Die Traditionelle Chinesische Medizin setzt auf Prävention und das Erhalten bzw. Wiederherstellen des inneren Gleichgewichts. Die Harmonie von Körper, Geist und Seele soll durch verschiedene Übungen, bestimmte Ernährungsweisen und Behandlungen erreicht werden.


Auf diesen fünf Säulen ruht das System der TCM:


  • Akupunktur, Akupressur und Moxibustion
  • Chinesische Arzneimitteltherapie (CAT) / Kräuterheilkunde
  • Meditation / Koordinationsübungen (QigongTaiji)
  • Massage (Tuina / Shiatsu)
  • Chinesische Ernährungskunde

Auch das bei uns eher unübliche Schröpfen (Aderlass) ist Bestandteil der TCM. Alle diese Methoden können einzeln oder in Kombination eingesetzt werden.


Behandlungsmethoden der TCM


Akupunktur Behandlung


Bei dieser Behandlungsmethode werden an bestimmten Punkten des Körpers Nadelstiche angewendet. Dadurch soll der Energiefluss des Qis reguliert werden. Variationen der Akupunktur sind die Akupressur, bei der stumpfer Druck auf die Körperstellen ausgeübt wird und die Moxibustion, bei der man mit Wärmezufuhr arbeitet.


Akupunktur wird in Deutschland bei chronischen Knie – und Rückenschmerzen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Weitere, von der Schulmedizin anerkannte Anwendungsgebiete, sind beispielsweise Migräne, Nikotinabhängigkeit, Verdauungsprobleme, emotionale Störungen wie Depressionen. Diese zählen aber nicht zu den Kassenleistungen.


Moxibustion


Diese Behandlungsmethode entstand im Norden Chinas. Auf dem Akupunkturpunkt wird ein kleiner Kegel aus Beifuß entzündet oder eine brennende Moxazigarre (in dünnes Papier gerollte Stangen aus Beifuß) wird auf einen halben cm dem Punkt angenähert. Es gibt auch Moxa-Nadeln oder -Pflaster für die Hitzeeinwirkung. Beifuß enthält ätherische Öle, Cholin, Tannin, die Vitamine A, B, C und D, Kaliumchlorid, Eisen und Magnesium. Anwendungsgebiete der Moxibustion sind vor allem Erkrankungen der Atemwege, aber auch Fieber, Entzündungen, Schlafstörungen, Menstruationsprobleme und Beschwerden während der Schwangerschaft. Auf Grund der Gefahr von Verbrennungen mit Blasen- und Narbenbildung ist Moxibustion in westlichen Ländern eine selten angewandte Behandlungsmethode. Auf Grundlage der TCM und Vorerfahrungen mit Epidemien wird in China auch zur Behandlung von COVID-19 Erkrankungen Moxibustion eingesetzt.


Arzneimitteltherapie


Die Chinesische Arzneimitteltherapie setzt auf Mischungen aus Kräutern, Mineralien und tierischen Substanzen, die eigens auf den Patienten abgestimmt werden. Die Arzneien gibt es in verschiedenen Darreichungsformen wie Tee, flüssigen Extrakten (Dekokte, Absude), Granulat oder Kapseln, wovon die gängigste das abgekochte Extrakt ist.



getrocknete Geckos für medizinische
Zwecke


Wichtige Kräuter, Pflanzen und Pilze der Traditionellen Chinesischen Arzneimitteltherapie:



Meditation und Koordinationsübungen


Die Ursprünge des Qigong (in anderer Schreibweise: Chigong) liegen etwa 7000 Jahre zurück. Diese Meditationstechnik hat sich vermutlich aus einem rituellen Tanz heraus entwickelt. Die Bewegungen beim Qigong fußen meistenteils auf Beobachtung der Natur, manchmal werden Tiere nachgeahmt.



Tai Chi im Park

Die Bewegungskunst Taiji (Tai Chi) entstand im 13. Jahrhundert und war ursprünglich eine Kampfkunst. Heutzutage dienen die Bewegungs- und Meditationsübungen des Taiji ausschließlich der Gesundheitsförderung. Zu den Übungen gehören Hand-, Waffen- und Partnerformen.


Beide Entspannungsmethoden haben sich weltweit zum Stressmanagement etabliert.


Entspann dich: Massage


Die Tuina bezeichnet eine chinesische Massage, die auch westliche Therapieprogramme (z.B. Chiropraktik) beinhaltet. Der Begriff Tuina setzt sich aus den chinesischen Wörtern tui (schieben, drücken) und aus na (greifen, ziehen) zusammen. Mithilfe der Tuina-Massage soll das Qi zum Fließen gebracht und Energieblockaden aufgehoben werden.


Dasselbe Ziel hat Shiatsu, das aus Japan kommt, seine Ursprünge aber in der TCM hat. Diese Massagetechnik wird vom Therapeuten mit Fingern, Händen, Ellenbogen, Knien und sogar den Füßen ausgeübt. Die kreisenden, drückenden und greifenden Bewegungen sind dabei sanft und ruhig.


Ernährungskunde


Die Chinesische Ernährungslehre kennt fünf Elemente, denen jeweils eine Geschmacksrichtung zugeordnet wird:


  • Erde – süß
  • Metall – scharf
  • Wasser – salzig
  • Holz – sauer
  • Feuer – bitter


Qǐng xiǎngyòng (Guten Appetit!)

Eine ausgewogene Mahlzeit soll Anteile jedes Elements beinhalten. Zu den Grundregeln beim Essen gehört zum Beispiel auch, die Speisen in Ruhe zu sich zu nehmen, gründlich zu kauen und im Alltag auf Süßigkeiten zu verzichten.


Fazit: TCM und Schulmedizin – Gegensatz oder sinnvolle Ergänzung?


Traditionelle Chinesische Medizin und Schulmedizin unterscheiden sich grundsätzlich in ihren Herangehensweisen. Während in der Schulmedizin das Hauptaugenmerk auf den Symptomen und der Krankheit an sich liegt, nimmt die TCM den ganzen Menschen samt seinen Lebensumständen in den Fokus, um die Ursache der Beschwerden aufzuspüren.


Hierzulande vertraut man gerne harten Fakten und Zahlen. Wenn ein die Wirkung eines Medikaments in experimentell nachgewiesen wird, gilt es als geeignet zur Bekämpfung der jeweiligen Krankheit. Zwischen den Patienten macht man dabei keinen Unterschied, jeder wird mit derselben Methode behandelt. In der Chinesischen Medizin dagegen werden weiche Faktoren wie emotionale Einflüsse berücksichtigt und die Arzneimittel werden immer dem Beschwerdebild des Patienten individuell angepasst.


Die traditionelle Heilpflanzenkunde verwendet immer die gesamte Pflanze. Die Schulmedizin jedoch nimmt sich einen Inhaltsstoff heraus und konzentriert sich voll und ganz auf dessen Wirkung.


Hierzulande vertraut man gerne harten Fakten und Zahlen. Wenn ein die Wirkung eines Medikaments in experimentell nachgewiesen wird, gilt es als geeignet zur Bekämpfung der jeweiligen Krankheit. Zwischen den Patienten macht man dabei keinen Unterschied, jeder wird mit derselben Methode behandelt. In der Chinesischen Medizin dagegen werden weiche Faktoren wie emotionale Einflüsse berücksichtigt und die Arzneimittel werden immer dem Beschwerdebild des Patienten individuell angepasst.


Anhand dessen, dass bereits einige Bereiche der TCM von westlichen Schulmedizinern anerkannt sind, kann man erkennen, dass es sich bei dieser Alternativmedizin wohl kaum nur um Quacksalberei von Scharlatanen handeln kann. Die TCM stellt in 100 Mitgliedsstaaten der WHO die am häufigsten genutzte alternative Therapieform dar. In 13 Mitgliedsstaaten der WHO wird sie, zumindest teilweise, von der staatlichen Krankenversicherung bezahlt.


Auch wenn die TCM moderne, westliche Heilmethoden nicht ersetzen wird, stellt sie eine sinnvolle Ergänzung zu diesen dar und wird in diesem Sinne auch schon in mehreren Kliniken in Deutschland eingesetzt.


Wie bei anderen Therapieformen auch ist es natürlich wichtig, sich nur auf fachkundige Ratschläge zu verlassen und nicht im Alleingang Experimente zu wagen. Insgesamt erscheint die Beschäftigung mit dieser alternativen Medizin auf jeden Fall interessanter als der berühmte umfallende Sack Reis.



Neue Pfade entstehen, indem man sie geht.

„Besser auf neuen Wegen etwas stolpern als in alten Pfaden auf der Stelle zu treten.“ (chinesisches Sprichwort)

Was denkst du über alternative Heilmethoden? Praktizierst du TCM oder andere?

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